Herz in Hose – Happy 25, Lieblingsbub!

Herz in Hose – Happy 25, Lieblingsbub!

Was würde passieren, wenn deine Tochter heimkommt und dir sagt, dass sie schwanger ist? … mit 18 Jahren … völlig unerwartet … aus dem Nichts heraus. Gleich nach der Matura. Vor dem Beginn ihres Studiums. Quasi am Anfang ihres Lebens.

Was dann passieren würde?! Ich würde ihr in die Augen schauen, sie umarmen und ihr sagen, dass ich sie liebe. Immer. Egal, was passiert. Und ich würde ihr sagen, dass ich IMMER hinter ihr stehe. Dass ICH da bin. Dass sie auf mich zählen kann. Weil sie mein Kind ist. Und weil ich weiß, wie man sich in diesem Moment fühlt. Weil ich es genau so erlebt habe. Und dass Ängste, Sorgen und Unsicherheit jetzt da sein dürfen. Dass das ok ist. Ich hab es damals auch so erlebt. Mit meinen 18 Jahren, als der Arzt mit dem komischen Ultraschall auf meinem Bauch herumgefahren ist. “Zur Sicherheit”, hat er gesagt. “Was für eine Sicherheit braucht der?!”, hab ich gedacht. “Es tut da unten weh, wofür braucht er da einen Ultraschall?!” Er soll das bitte einfach nur wieder gut machen…

Da ist das Herz

“Schau mal”, hat der Arzt dann gesagt, “das da, das ist das Herz. Das schlägt schon.” Ich hab meinen Kopf, auf dem Untersuchungstisch liegend, verdreht und auf diesen kleinen Fernseher geschaut. Da war irgendwas Weißes und alles andere war grau und so unscharf. Komisch war das. Und gesehen hab ich gar nichts. Weil diese Frage in meinem Kopf so laut war: “Wieso ist mein Herz in meinem Bauch?! Wie kann das da hinunterrutschen, wenn ich es heroben klopfen spüre?!” Ich war völlig irritiert. Dann sagt er: “Du bist in der 10. Woche. Hast du nicht gemerkt, dass du schwanger bist?!”

Schwanger!?

Schwanger? Ich? Ich bin 18! Ich muss noch fragen, ob ich ins Kino gehen darf! Oder fortgehen. Ich verdiene kein Geld! Mein Kinderzimmer ist nicht aufgeräumt – OMG – das muss ich auch noch machen, sonst schimpft Mama wieder… Schwanger?! ICH?! DAS IST DAS 2. HERZ!? Tränen liefen über meine Wangen. Unkontrolliert. Hemmungslos. “Nana, ganz ruhig. Musst ned weinen. Hättest dir halt früher überlegen müssen…”, hat der Arzt noch gemeint. Früher überlegen?! Bitte?! Das brauchen wir jetzt nicht diskutieren. Ich hab das HERZ schlagen gesehen!! In meinem BAUCH! Bumm. Bumm. Bumm. Ich werde Mama. Egal, ob ich gerade 18 bin oder nicht. Fakt ist: Ich werde Mama. Da lebt was in mir! Ich werde Mama. Ich zieh das durch!

Gefühlschaos hoch 2

Und dennoch: Ein Gefühlskonvolut stürzte über mich herein. Angst: Schaffe ich das? Panik: Wie wird meine Umgebung reagieren? Sorge: Wie soll ich mein Studium absolvieren? Verzweiflung: Womit soll ich Windeln und Nahrung für mein Kind kaufen? Scham: Was werden die Leute über mich reden? Liebe: Da schlägt ein HERZ! Vertrauen: Das Kind hat sich mich ausgesucht! Klarheit: Ich bekomme das Kind! Zuversicht: Kleines Herz und ich sind ein Team! Neugierde: Wie das kleine Herz wohl aussieht? Entspannung: Alles ist machbar! Freude: Ich werde MAMA! Somit habe ich meine Lebensuhr auf MAMA SEIN gestellt <3

4. April 1994

Endlich hatte das Herzklopfen in meinem Bauch ein Gesicht. Christoph. Und einen Namen. Ich traute mich ihn nicht zu berühren. War überwältigt. Dankbar. Stolz. Hab vorsichtig seine kleine Hand gestreichelt. Und ihm dabei versprochen: “Ich lass dich nicht im Stich! Ich bin für dich da! Immer! So gut ich eben kann…” In diesem Moment hat er meinen Zeigefinger geschnappt und mich gehalten. Ein Pakt der besonderen Art begann…

Nicht ganz einfach

Ich möchte nicht behaupten, dass es einfach war eine junge Mama zu sein. Lange hab ich eine dicke Make-up-Schicht als Schutz gebraucht. Mich klein, unfähig, beobachtet, ausgegrenzt gefühlt. Ich weiß, dass ich viele Fehler gemacht hab. Aus meiner Unsicherheit heraus. Aus meinem (falschen) Stolz heraus. Von meinem Sohn mehr verlangt als nötig gewesen wäre. Um zu beweisen, dass ICH es kann … ein Kind großziehen … auch wenn ich jung war. Klar hat es mich geprägt. Meinen Sohn geprägt. Es hat UNS geprägt. Uns zu dem gemacht, was jeder von uns ist. Somit war jeder Fehler ein kleiner Helfer.

Heute, an seinem 25. Geburtstag, weiß ich: Wir haben das Beste aus allen Situationen gemacht, die uns das Leben vorgelegt hat. Und was in jedem Moment daraus von uns  – mit unserem damaligen Wissen – gemacht werden konnte. Es gab von allem etwas: Spaß, Sorge, Vertrauen, Streit, Hingabe, Resignation, Loslassen, Festhalten, Tränen, Staunen, Lachen, Lernen, noch so vieles mehr … es gibt: LEBEN!

DANKE, Stoffl, dass du dich für mich als Mama entschieden hast. Dass du mir blind vertraut hast und wir seit 25 Jahren ein Team der besonderen Art sind! HAPPY SCHLÜPFTAG, MEIN LIEBLINGSBUB! <3