In die Ruhe kommen

In die Ruhe kommen

Heute fragte mich ein ganz lieber Freund, ob ich eigentlich auch mal ruhig sein kann. Oder, ob ich wirklich immer in der Betriebsamkeit bin. Nie Ruhe gebe. Nie auf der Couch liege. Ob ich Arbeit brauche, um glücklich zu sein oder ohne Arbeit nicht sein kann.

Ich fühle mich ertappt.

Warum, um alles in der Welt, werde ich von ihm genau DAS gefragt?! Kann er Gedanken lesen?! Strahle ich das aus?! Ich weiß im ersten Moment gar nicht, was ich antworten soll. Ich spiele auf Zeit und wechsle sicherheitshalber mal den Raum, ehe ich antworte. Antworten will. Weil eine Antwort – eine ehrliche Antwort – habe ich noch immer nicht parat. Also suche ich mir mal einen Ankerpunkt und beginne zu atmen. Gott sei Dank kennt mich der Freund schon länger und weiß, dass ich im Claudiadenktsorichtignachmodus bin. Dann gestehe ich ihm, dass mich seine Frage berührt. So richtig berührt. (Sogar nachhaltig berührt hat, sonst würde ich jetzt keinen Blog schreiben)

Ich arbeite nicht.

Zu diesem provokanten Schluss bin ich, gut 5 Stunden nach der Fragestellung, gekommen. Ich arbeite nicht. Ich empfinde das, was ich mache, nicht als Arbeit. (Obwohl wirkliche Schwerarbeitssequenzen mit Schweißperlenausstoß und Querdenkaufgaben in Form von Feingefühlstransporten an der Tagesordnung stehen.) Ich tue es einfach. Ganz selbstverständlich. Und ich tue es gerne und mach es gut. Wahrscheinlich, weil es immer mit Freude und Herzblut versehen ist. Und oft bemerke ich erst beim Blick in den Kalender, dass ich viele Termine habe.

Arbeit als Flucht?!

Darüber grüble ich. Hmmmm – vielleicht. Flucht vor meiner Pinklfamilie – nein! Vor dem Hausputz – naja! Vor dem Sport – ja. Definitiv. Mein Freund grinst liebevoll schelmisch über das ganze Gesicht – er ist mit Leib und Seele Sportler und Rettungssanitäter. Ich höre schon seine unausgesprochenen Worte und sage schnell: “Aber ich hab meine Achtsamkeit!” und erkenne, während ich es sage, dass beides gut wäre: Achtsamkeit und Sport

Claudias Ruhewanne

Es ist was dran, an dem Satz: Beweg dich, damit du neue Wege gehen kannst. Und die Bewegung, ich will es mal liebevoll formulieren, die ist nicht unbedingt meine beste Freundin. Ich bin eher die, die jetzt mit Achtsamkeit und Meditation ein Tool gefunden hat, damit “die Eile in meinem Kopf ruhiger wird”, wie es meine Freundin Sabine punktgenau beschrieben hat. Ich hole den Alltagswahnsinn, der mit mir ununterbrochen Ringelspiel fährt, ab und platziere ihn wie Glitzerstaub auf dem Boden. Und weil es mir so viel bringt, übe ich regelmäßig und trainiere. Und gebe dieses Wissen ab dem 5. September in einem 8-wöchigen Claudia-Achtsamkeitstraining für Einsteiger weiter. …und das könnte wieder als “Arbeit” ausgelegt werden… Für mich ist es “Einfach sein”.

Ich bin.

Ich bin einfach. Einfach so. Und ich mag es, so zu sein. Weil ich so am besten ICH sein kann. Wenn ich tue. Und wenn ich jemanden dabei begleiten darf, einfach zu sein, dann hab ich gut gearbeitet und bin so richtig glücklich! Und dann kann ich die Frage ruhig beantworten: JA – ich arbeite gerne und JA, ich kann auch nichts tun!  … und ja, ich werde versuchen Sport ein wenig in mein Leben zu lassen 😉

… Danke, lieber Freund, für deine Frage heute …