Krank sein – nicht einmal geschenkt!

Krank sein – nicht einmal geschenkt!

Schnupfen. Husten. Heiserkeit.

Krank sein ist was für Weicheier. Das hab ich früher oft gehört. Und jetzt?! – Bin ich jetzt ein Weichei, weil ich krank bin? Nein, nicht wirklich, oder?? Aber ja, ich merk, dass meine harte Schale Sprünge bekommt. Dass die plötzliche Pinklfrau-Zeit voller Überraschungen steckt. Und mich weich macht und den Boden des Lebens neu bereitet.

Mit Warnblinklichtern unterwegs.

Krank sein ist mühsam. Den bummvollen Kalender vor Augen. Termine absagen. Verschieben. Nicht da sein können. Eine Tatsache, die ich gar nicht leiden kann.

Und dennoch weiß ich: Ich bin krank und hab gerade im Sanatorium Couchhausen eingecheckt. Ich kann nicht. Bin stimmlos. Schwitze. Schau furchterbar aus! Bin hundsmüd. Und mein schnelles Denken funktioniert nur bedingt. Claudia auf dem Pannenstreifen. Verlangsamt. Mit Warnblinklichtern unterwegs. Nein. Das kann gar nichts. Und doch … es hat schon was.

Langweilig.

Ja, es ist langweilig. Krank sein ist langweilig. Und während ich diesen Satz tipp, wird mir bewusst, wie lange es nicht mehr langweilig in meinem Leben war. Wann hat die letzte Weile lang gedauert? Wann habe ich zuletzt Punkte an der Decke gezählt? Die Kuschelhülle meiner Wärmflasche gestreichelt? Die Buchstaben der Titelseite meiner Lieblingszeitschrift happinez bewundert? Und verdammt nochmal, wann habe ich das letzte Mal 3 Stunden am Stück am helllichten Tag auf meiner Couch geschlafen? Wann bin ich nicht gleich nach der PH ins Institut oder an einen anderen Seminarort gezischt? Ja, die letzten Wochen waren intensiv… Eine lässige Zeit, aber es reicht!

Schlaf dich gesund.

Wenn ich als Kind krank war, dann hat mich meine Oma besucht. Sie ist aus der Ramsau gekommen und hat mich gesundgemacht. Mich mit WickVapoRub einbalsamiert, Märchen bis zum Abwinken vorgelesen, die Wäsche neben mir zusammengelegt. Aber das Beste am Kranksein war der Oma-Rumguglhupf! Den hat sie gebacken, wenn ich über den Berg war. Der beste Guglhupf überhaupt! Als Geschenk, weil ich so brav geschlafen hab, hat sie immer gesagt.

Eier sind das Wesentlichste.

An diesen Rumguglhupf hab ich beim Punktezählen gedacht. Dass ich den gern wieder hätt. Mit Eiern, die Oma immer einen halben Tag draußen hingestellt hat, bevor sie im Teig verschwunden sind. Zaubereier, waren das für mich. Weil daheim, bei meinen Eltern waren die Eier immer im Kühlschrank. Aber Oma hat gemeint, dass der Kuchen nur dann so richtig gut wird, wenn die Eier warm sind: Weil dann der Geschmack so richtig herauskommt. Aha. Verstanden hab ich das nie so recht.

Ich hab mich immer gefragt: Wo bitte ist das Gute im Ei, während es im Kühlschrank ist? Haben sich die feinen Nuancen der Hühnereier irgendwo im Süden versteckt? Dort, wo es warm ist? Dort, wo meine Stimme jetzt ist??

Hängengeblieben.

Der Gedanke geht mir nicht mehr aus dem Kopf…

Das Ei  – also unser Potenzial kann sich nur dann entwickeln, zeigen, zur Gänze offenbaren, wenn wir bewusst aus dem Kühlschrankmodus – bekannt als Alltag und Business – aussteigen, und uns im Kuscheldeckenpunktezählmodus Ruhe gönnen. Und zwar nicht erst, wenn uns Husten, Schnupfen und Heiserkeit aus der Bahn werfen.

Eh logisch! Und das erkläre ich dann ganz g´scheit bei meinen Seminaren und Workshops. Wissen tu ich´s eh… aber in den letzten Wochen hat sich sichtlich eine harte Schale aufgebaut.

Geschenkt.

So wie Oma mir als Gesundungsgeschenk den Rumguglhupf machte, so haben mir Husten, Schnupfen und Heiserkeit auch ein wunderbares Geschenk bereitet.

Meine Eier – also mein Potenzial –  haben endlich wieder Zeit sich zu entfalten, sich zu zeigen. Mir zu sagen, was bleiben darf und wovon ich mich trennen soll. Weil ich sonst wieder auf mich vergesse. Und auf meine Couch. Und auf die Punkte an der Decke.

Gestohlen bleiben.

Und so Sätze wie:

Sei stark! Da musst du durch! Das schaffst du nie!! oder Ohne dich geht gar nichts! Aber das muss jetzt abgeliefert werden. Krank sein ist was für Weicheier! Willst du im Bereich xy weiterkommen?! Dann mach da jetzt mit!… ja, diese Sätze können mir gestohlen bleiben! Die will ich ab jetzt nicht einmal mehr geschenkt…