Marmeladenbrot und Achtsamkeit

Marmeladenbrot und Achtsamkeit

Marmelade – selfmade oder gekauft

Diese Frage stelle ich mir seit vielen Jahren nicht mehr. Damals, vor knapp 20 Jahren, hab ich selber Marmelade eingekocht. Ich wollt auch eine so wunderbare Hausfrau sein und ES SELBST können. So wie die anderen Frauen auch…

Also hab ich Erdbeeren, Zucker, Gläser und was man da sonst noch so braucht, eingekauft, und hab halt angefangen, dieses Marmelade herzustellen. Ich weiß noch ganz genau: Es war heiß, sauheiß, und eigentlich wär es besser gewesen mit Christoph in irgendein Schwimmbad zu gehen, aber nein, ich hab mir die blöde Marmelade eingebildet. Die Stimmung war angespannt. Der Dreck ist mir runter geronnen, ich war grantig. Die besten Voraussetzungen für eine Misserfolg.

Und genau so wurde die Marmelade…

Ein Misserfolg. Naja. So hart will ich jetzt auch nicht sein. Sie war… supersüß … knallrot …in pickigen und schiefbeklebten Gläsern … eine Erdbeernichtfestsondernsoßigmarmelade. Für die Perfektionistenclaudia ein Tiefschlag.

Ich war auf mich so grantig. So wütend. Weil ich es nicht besser konnte. Ich hab mich geniert. Gab allen anderen die Schuld. Den wunderbaren Erdbeeren. Den Gläsern. Der Hitze. Allem anderen, nur nicht meiner Einstellung der Arbeit gegenüber.

Komisch, Omas Marmelade war für mich als Kind immer makellos. Was hat sie wohl in die Marmelade gerührt, die sie für mich einkochte?!

Du bist die Butter auf meinem Marmeladebrot.

Dieses Zitat hab ich heute am Vormittag in Wien an einer Fensterscheibe eines Shops gelettert gelesen. Mein erster Gedanke war: Erdbeermarmeladensoße! OMG! Als ich dann im Spar vor dem Butterregal stand, machte es in mir klick!

Du bist die Butter auf meinem Marmeladebrot.

Frei übersetzt nach Claudia Pinkl: Du bist die Basis in meinem Leben. Ich hab eine breite, tiefe, starke Basis. Eine Basis, auf die ich mich seit Jahren verlassen kann: Mein Pinklmann. Meine beiden Kids. Meine Vizsla-Mädis. Meine Freunde, die zu Familie wurden. Mein Institut für Bewusstseinsbildung. … Wie reich bin ich doch vom Leben beschenkt! Mehr brauche ich nicht!

Und dann, dann hat´s nochmal geklickt. Meine Basis sind meine Gedanken. Mein positives Denken, das manchmal (ganz ehrlich) hinter einem Naschaumamalobsieeswirklichpositivsieht-Berg versteckt ist. Das Lächeln in der Früh, auch wenn es gelogen ist, weil ich dem Gehirn einen liebevollen Streich spiele und so mich selbst positivpuliere ?. Die freundliche Stimme, die hin und wieder verkleidet aus dem Haus geht.

Und dann, dann ist ein Klickwerk in mir losgegangen. Klick. Klick. Klickdiklick. Klickeridiklickklickklick.

Achtsamkeit ist meine Basis in meinem Leben.

… im Wachwerdemodus, wenn ich meine Gliedmaßen begrüße und mich freue, dass sie ALLE noch da sind…

… im Pinklmann-Kuschelmodus, um zu spüren, dass / was gespürt werden kann … (ein Schelm, der da was denkt ?)

… beim Drücken der „Heute ist … und das steht an“ Tagesplanvorabspieltaste, die mit vielen positiven Momenten begleitet wird (Weil der Tag genauso wird!)…

… beim Aufsetzen im Bett und dem Bewusstsein, dass ich ein Dach über meinem Kopf habe, das es wert wäre wieder mal gesäubert zu werden…

… beim ersten Blick in den Spiegel, und dem Erkennen, das eine bald 44-jährige Frau mit lustigen Strichen (Polsterabdrücke, Falten, Kampfspuren des Kajals vom Vortag) im Gesicht und komisch durch die Gegend stehenden Haaren planlos das Gegenüber betrachtet…

… beim Zähneputzen, das lange automatisiert stattfand, jetzt jedoch abwechselnd mit der linken oder rechten Hand vonstatten geht…

… beim Nass machen des Körpers mit vielen warmen Wassertropfen unter der Dusche und dann im Bodycremestreicheleffekt…

… dem Anziehen der wohl ausgewählten Kleidung und dem Blick in den Spiegel…

… beim wirklich seit Jahren achtsamen (nicht vorsichtigen) Stiegen runtergehen, um heil im Erdgeschoss anzukommen und stehend die Hunde begrüßen zu können…

… beim Blick in die Augen meines geliebten Pinklmannes, die mir liebevoll und klar zu verstehen geben, dass ich in diesem Moment aus der Küche zu verschwinden habe, weil ich in meinem Habegeschlafengutenmorgenbinnochnichtdamodus eine wirkliche Gefahr für alle und alles darstelle…

… den ersten Worten, die krächzend meist lauten: Ja, bitte, Kaffee!! …

…. dem ersten Schluck des Wundergetränks, das die Claudiawelt zum Leben erweckt und aus mir jene Pinklfrau macht, die man kennt …

Gekauft oder doch selfmade?!

Brot kaufe ich. Butter auch. Marmelade lasse ich mir schenken.

Mein Leben ist da. Mein Potenzial auch. Was ich daraus mache, liegt an mir.

In Wahrheit hab ich immer 2 Möglichkeiten:

  1. Ich kann mir und meinem Körper etwas von außen Vorgesetztes, etwas aufgrund schlechter Zutaten Verdorbenes oder Schlechtes antun, wie Stress, Chaos, negative Gedanken, Suchtmittel und Ähnliches und mich im Anschluss darüber auslassen, wie arm und dem bösen Leben ich ausgeliefert bin. Dieses Denken und Tun will ich schon lange nicht mehr!
  2. Ich kann mich mit meinen zur Verfügung stehenden Mitteln, mit meinem eigenen Können, mit meinen persönlichen Ressourcen und bestmöglicher Einfachheit versorgen und verwöhnen und so den roten Marmeladenteppich Einstellung täglich / minütlich / sekundlich ausrollen, der auf meinem Butter-Atem und der bewussten Entscheidung für ein Achtsamkeitsleben-Brot, Platz findet.

Um die Frage zu beantworten: Selfmade oder gekauft: Selfmade, auch wenn es eine Soße wird!

Es liegt in meiner Hand, in meinem Bewusstsein und in meiner Verantwortung!

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