Warum bist du so?

Warum bist du so?

Bitte was?!

Meine Freundin fragt mich letztens am Telefon: “Sag, warum bist du so?” Bitte? Was?! Was hab ich gerade wieder verpasst? Ich schaue sie groß an. Stille. Auf beiden Seiten. Ach ja, sie sieht meinen Gesichtsausdruck nicht. Ahhhhhh, darum reagiert sie nicht. Ich hab dieses Dasgegenübersiehtdichnicht, weil wir ja fast nur mehr online und telefonischen Kontakt mit anderen Menschen haben, völlig vergessen. Also wiederhole ich meinen Gesichtsausdruck wörtlich und frage, wie sie das jetzt genau meint.

Naja, so anders

Warum ich so bin?! Keine Ahnung. “Vielleicht hat mich meine Gewordenheit dazu gemacht”, antworte ich. Vielleicht liegt es daran, dass ich einiges anders erlebt habe als andere. Möglicherweise ist das Teil meines So-Seins.

Das Leben hat mich dazu gemacht

Ja, so wird es sein. Ich wurde vom Leben so gemacht. Punkt. Doch diese Antwort reicht ihr nicht. Was es denn nun genau war, dass mich so sein lässt, fragt sie nach. Stille. Ich gehe in mich. Mache in mir stimmige Musik an. Dimme das Claudiainsightlicht. Nun. Da war mal eine Kleinkindheit, die nicht unbedingt von vielen Kindern und Freunden geprägt war. Meine Mutter war nach ihrer Arbeit müde und wollte keine anderen Kinder im Haus haben. Eh irgendwie verständlich, aber nicht unbedingt förderlich, wie ich jetzt weiß. Die Schulzeit nicht im Heimatort erlebt – ähhhhmmmm … naja … siehe oben. Und dann war ich doch recht schnell selber Mama. Ein Rucksack voller Windeln, ein Wonneproppen an meiner Seite und ein Studium. Hmmmm … Alle anderen waren fort, schlugen sich die Nacht um die Ohren und … ja, schon wieder anders … naja … siehe oben. Ich glaub, da ist was dran, an der Gewordenheit.

Mit sich selbst auseinandergesetzt

Ich lasse einige Pinklfraulebensstationen Revue passieren und erkenne: Das Leben hat mir wirklich einige Lernhaltestellen angeboten, bei denen ich aus meinem Lebenszug kurz ausgestiegen bin oder zumindest hinausgeschaut habe. Nicht unbedingt die Beste in der Schule. Mama mit 19. Eine Scheidung. Eine herausfordernde Erkrankung. Eine Flucht in die Arbeit. Ein Wegweiser in Richtung “Kommzurückinsleben”. Zerwürfnisse. Neuaufnahmen. Neue Sichtweisen auf Berufe. Alleine schon durch meinen Pinklmann. Naja, und dann immer wieder der Drang nach …

Wonach eigentlich?

Liebe? Freiheit? Neuem? Veränderung? Sicherheit? Finanzieller Unabhängigkeit? Wissen? Harmonie? Ruhe? Entwicklung? Verstehen und Verständnis? Fragen und Antworten? Leben und Tod?

Ja. Das alles und noch viel mehr.

Da ist der Wunsch – nicht der Drang – der Wunsch nach mir. Nach mir in meiner reinsten Form. Da ist der Wunsch nach Stimmig-Sein in sich selbst. Da ist der Antrieb nach einem Hinterlassen. Nach einem Fußabdruck. Nach Ehrlichkeit. Und nach Hilfestellung. Weil es anderen vielleicht ähnlich ergangen ist. In irgendeinem Bereich ihres Lebens. Ich will Vorbild sein. Will da sein. Will Halt geben und Haltung vermitteln. Also atme ich durch. Richte mich aus. Und mache das, was ich schon ein Leben lang mache. Ich mach es anders. Weil ich es nicht anders kenne. Mache einen Seelen-Strip bei schummrigem Licht. Zeige mich in meiner Kraft und Verletzlichkeit. In meinem Licht und mit meinem Schatten. Versuche Geländer und gleichzeitig Lift zu sein. Und werde mich mit anderen teilen. Werde mich weiterhin mitteilen. Werde mein Wissen teilen. Und wenn es nicht im face-to-face-Modus im Institut geht, dann eben online.

Sicher nicht zweitklassig.

Sondern pinklklassig. Genau. Ich werde es einfach im Pinklfrau-Style machen. Weil es höchst an der Zeit ist und man sich selbst überall entwickeln kann. Und, weil man Achtsamkeitsimpulse auch virtuell verstehen kann. Wenn man nur will und sich dem Leben stellen will. Das Leben, das uns gerade zu denen macht, die wir sind.  …oder so…

Fotoquelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-die-filmstreifen-halt-3585046/