Zeit für einen Oscar

Zeit für einen Oscar

Herzklopfen bis zum Hals… bei ihr und auch bei mir… ich denke, wir zwei sind am aufgeregtesten… Ob es noch eine Steigerung zu “am aufgeregtesten” gibt?! JA – am maturigsten 🙂 Denn DAS macht Herzklopfen … Aufregung pur! Der Hormonhaushalt spielt verrückt. Die wilden Gedanken sind nur mehr schwer in Zaum zu halten. Schweißausbrüche passieren völlig unregulierbar. Schlafphasen im Berg- und Talfahrtmodus. Essen – janeinvielleichtmankannesnichtgenausagen. Trinken – bittevielundvonallemetwasaberamliebstenjetztsofortprosecco … zumindest für mich 😉

13 Jahre Schule

… das hinterlässt so einige Spuren. Nicht nur beim Kind, sondern auch bei den Eltern. Also bei mir in meiner Funktion als Elterin, als Elternsie sozusagen – oder wie ich bei uns daheim bezeichnet werde: als Momsel. Ob der Elterer, also mein Erziehungs-Mitspieler, Lebens-Begleiter, mein geliebter  Pinklmann, es auch so sieht … ich kann es ganz klar sagen: Er nimmt es naturgemäß lockerer. Ich bin eindeutig die Zerlegende. Das liegt in meiner Natur und in meinem Business 😉

Bei mir kommen solche Fragen auf:

Hab ich sie immer richtig und gut begleitet?! War ich dann da, wenn sie mich wirklich brauchte?! Hab ich dann als Momsel so gewirkt, wie es nötig war oder habe ich meinen Wirkstoff falsch verschossen?! Hätte ich ihr manchmal mehr in den Arsc* treten sollen?! (So was sagt man als Mama in der Öffentlichkeit doch nicht!!) Oder war ich zu fordernd?! Hätte ich mich in der Schule mehr einmischen sollen?! Den Mund aufmachen, wenn mein Kind nicht gerecht behandelt wurde?! So manchem Lehrer mal doch die Meinung sagen sollen?! (Aber, aber… So was steht einem als Pädagogin nicht zu! Und man beschmutzt das eigene Nest doch nicht! Also wirklich! Schämen sollt ich mich!) Und dennoch: Hätte ich es machen sollen?! Auch wenn mein Kind meinte: Nein, Momsel, ich reg mich jetzt mal bei dir auf und wenn ich dann die Matura hab, dann kannst allen deine Meinung sagen. Puhhhh. Klare Ansage! Ok, also hab ich meinen Mund gehalten … war kurz beleidigt, aber in Wahrheit voll stolz auf mein Kind, weil sie ihre Sachen alle selbst geregelt hat. So wie damals, als sie alleine vorgeprescht ist ins Gymnasium und beim Direktor geklopft hat, weil SIE will dorthin. “Ahhh, schön, dass du dich anmeldest! Wo ist denn deine Mama?”, fragte der Direktor damals. “Bin schon da. Ja, sie darf!”, gab ich beleidigt – weil das Mädel auch das alleine geschafft hatte – von mir. Der Raimund, der Direktor, war mein ehemaliger Physiklehrer – er hat nur gelacht und gemeint: “Das fängt ja gut an. Bei dir als Mama überrascht mich das klare Auftreten deiner Tochter nicht.” Hmmmm … dem war nichts mehr hinzuzufügen und der Weg für meine Pipi schon bereitet. Weil es für sie klar war. Selbstverständlich. Eindeutig.

Was hat ein Fischstäbchen mit der Matura zu tun?

Mein Pinklmann war heute morgens zu Scherzen aufgelegt. Kaffeeschlürfend sprach er einfach so vor sich hin: “Lass uns das Fischstäbchen brechen und es befragen, was die Matura bringt.” Bitte!? Ein Fischstäbchen brechen?!?!?  Was ist mit ihm los?! Ein Fischstäbchen isst man. Einfach so. Weil das schmeckt immer. Aber brechen?! Ein Fischstäbchen brechen … was für einen Sinn soll das haben??

Da hab ich nachdenken müssen… Hat etwas gedauert 🙂

Ahhhh… Es mit Leichtigkeit nehmen. Einfach tun – so wie das Essen eines Fischstäbchen. Das geht auch notfalls mit den Fingern. Und wenn die Lanze schon mal gebrochen ist, dann kann ja auch gar nix mehr schiefgehen. Eh logisch. Pinklisch logisch…

Witz macht alles leichter

… und dann haben wir darüber gescherzt. Über das Fischstäbchen, und die Matura und über die Achtsamkeitsübungen, die wir gestern am Abend noch gemacht haben, weil das Fokussiert sein gegen die Magenschmerzen und die Übelkeit hilft. Das bewusste Atmen, so, dass die Kerze nicht ausgeht und der Fokus dennoch auf der Flamme bleibt. Und über die Zielsätze, die Pipi zielgerichtet formuliert hat, haben wir auch gelacht. Und über das wunderbare Dirndl, das bis gestern noch mir gehört hat, und mit dem heutigen Tag in den Kleiderkasten meiner Tochter gewandert ist. Weil es ihr viiiiiil besser passt als mir. Und weil es ihr Sicherheit gibt. Die sie jetzt gerade – in diesem Moment braucht. Weil es jetzt wichtig ist, dass sie Momsel an ihrer Seite hat. (Auch wenn ich daheim bin und sie in Baden) Sie hat mich an, quasi. Ich bin ihre 2. Haut, quasi. Ihr Schutzschild, wenn man so will!

Und über ihre Trinkflasche haben wir wieder gelacht, die extra für sie bedruckt wurde mit: Ich bin Pipi und kann Kacka.  Hat damals nicht jeder gleich verstanden. Eh klar. Pinklisches Denken 😉 Heißt soviel wie: Wenn ich weiß, wer ich bin, dann schaffe ich alles – auch das, was ich gerade Schei*e finde.

Du bist für den Oscar nominiert!

Und über den Oscar haben wir uns unterhalten. Die Pipi und ich. Weil ich zu ihr gesagt hab: “Bist du dir eigentlich im Klaren darüber, dass du eine Oscar-Nominierung hast? 13 Jahre lang hast du auf deinen Oscar hingearbeitet. 13 Jahre bist du in der Früh aufgestanden. Hast dich oft geschunden. Mit Menschen zu tun gehabt, die dir nicht gelegen sind. Bist manchmal nicht verstanden worden, weil du anders denkst. Hast dir nicht alles gefallen lassen. Deinen eigenen Stil entwickelt, der sich von anderen abhebt. Hast Arbeiten gemacht, die mühsam waren. Hast den Mund gehalten, obwohl es dich innerlich zerrissen hat. Bist deinen Weg gegangen – hast dich nicht verbiegen lassen, obwohl du manchmal in ein System gepresst warst, das dir nicht entsprochen hat. Und dennoch: DU hast durchgehalten. Du hast an dich und dein Projekt geglaubt. Und als du deine Diplomarbeit präsentiert hast, so ganz anders – mit Witz und Schiff und deiner “Avatar-Julia” – da hast du gezeigt, was in dir ist! Dein wahres ICH hast du gezeigt und alleine dafür hast du einen Oscar verdient! Weil DU einfach DU warst und dich und dein Wissen gezeigt hast. Ganz selbstverständlich. Und wenn heute die Nerven blank lagen – auch das ist Leben und auch DAS bist du. Dennoch: Du hast das Fischstäbchen schon so lange in deinen Händen. Zeig der Welt, dass dein Fischstäbchen aus deinen Zutaten besteht. Darum hat sich die FH Wieselburg für dich entschieden. Und auch darum wirst du dir heute deinen Oscar abholen. Egal mit welchen Benotungen… Positiv und fertig!”

And the Oscar goes to……..

AnnaTheres …. JUHUUUU!!!!!!!

Es war richtig. Alles. Das Fischstäbchen. Die Fragen. Die Achtsamkeitsübungen. Die Begleitung. Das intensive Lernen. Die Selbstständigkeit. Die vielen Tränen im Vorfeld. Das Bauchweh und das Ziel! … und der Prosecco, mit dem jetzt das Leben und die Matura und der Oscar gefeiert wird!

Anna Theres – rock dein Leben!!! Du hast es geschafft.

DU KANNST. ENDE DER GESCHICHTE