Verlust

Verlust

Ein Tag vor Weihnachten. Ein ganz besonderer Tag. Ein Tag, an dem Pinklmann und Pinklfrau normalerweise mit lieben Freunden nach Graz fahren. Strandeln. Punschen. Plaudern. Gut essen. Zeit miteinander genießen. Spaß haben. Tiefgehende Gespräche führen. Ein Tag, der als SuJoRuClau-Tag im Kalender steht. Ein Tag, der voller Leben ist. Seit mehreren Jahren.

Ein Tag für uns

Doch 2020 werden wir den heißgeliebten Graz-Tag so nicht begehen. Aber nicht, weil eine Corona-Maßnahme die Punschstände eingerollt hat. Auch nicht, weil wir uns als Freunde verloren haben. Und schon gar nicht, weil wir nicht wollen. Wir fahren nicht, weil einer von uns fehlt. Weil einer von uns den Weg in unserem Leben hier auf Erden nicht mehr mitgeht. Weil einer von uns Vieren nicht mehr ist.

Verlust

Das Leben ist endlich. Das wissen wir alle. Das Leben ist auch kein Wunschkonzert. Auch das ist uns allen klar. Das Leben kann jederzeit vorbei sein… Ja, das hören wir seit Kindheitstagen. Ja, eh. Aber, dass sich das Leben nun alleine weiterleben lassen soll, ohne ihn, das ist schwer vorstellbar. Für viele. Nicht nur für uns als Freunde, sondern für alle, die ihn kennen und schätzen.

Zeit in Graz

Dass er nicht mehr neben uns gehen wird… Nicht mehr mit uns lachen wird… Nicht mehr in einer stoischen Ruhe wartet, bis die beiden Damen sich endlich aus dem 85igsten Geschäft heraus bequemen, kudern und lachen und wieder ein Säckchen mehr in der Hand halten…. Dass er sich nicht mehr am Nachmittag im El Pescador durch die Speisekarte schlemmert und dazu feine Weiß- oder Rotweine auswählt…  Dass er nicht mehr neben meinem Pinklmann schlendert, mit ihm innig plaudert und lacht, obwohl er als ruhiger Mensch bekannt ist, der scheinbar stundenlang am Rand einer großen Tafel sitzt, sich hin und wieder einbringt und das Sein in sich ruhend genießt… Dass wir einander nicht mehr müde und glücklich zugleich in der Champagner-Bar mit Wasser und Espresso zuprosten und ausmachen, dass wir im kommenden Jahr ganz bestimmt wieder gemeinsam in Graz sein werden… Das ist so ganz schwer vorstellbar.

Es ist nicht zu glauben

Nein, es ist wirklich nicht zu glauben, dass der 23. Dezember 2020 nicht in Graz stattfindet, sondern am Friedhof. Dass wir ihm die letzte Ehre erweisen. Dass wir ihn und sein Leben feiern. Dass wir ihm danken. Dass wir für ihn da sind. Dass wir für seine Frau und seine Mutter da sind. Weil Freunde einfach füreinander da sind. Egal, wo. Egal, wann.

Ich weiß es

Ich weiß, dass er vorgegangen ist. Dass er einen Platz für uns bereiten wird. Dass er einen guten Wein aussuchen wird, den wir dann, wenn unsere Zeit gekommen ist, gemeinsam trinken werden. Und ich weiß, dass es in der Zeitrechnung unseres Freundes nur einen Schmetterlings-Flügelschlag dauert, bis wir einander wiedersehen (Und dann sind wir so richtig alt und haben alle unsere Aufträge in diesem Menschenleben erfüllt). Bis dahin werden wir in den kommenden Jahren den Graz-Tag am 23.Dezember als FreundesinddieFamiliediewirwählen-Tag aufrecht erhalten … solang wir leben….

Rudi, danke für dich!

 

Fotoquelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/abbildung-abenteuer-ballon-ballonfahren-36487/